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Erstsendung: ARD 20.01.2010 (45 Min.)
Geld für alle! - Gibt es eine bessere Welt?
Film von Ulrich Stein und Christian Gramstadt (Vincent TV)
 
US-Städte verwahrlost, Dubai "pleite", Spekulanten im Gold- und Zinsrausch, Unternehmer in der Kreditklemme. Die deutsche Kanzlerin ist sauer auf ihre Banker, der Bundespräsident besorgt. Die "Bad Boys" agieren - die "Bad Banks" reagieren. Was hat sich seit der globalen Finanzkrise eigentlich geändert - außer, dass die Staaten unglaublich viel ärmer geworden sind und die Schaffenden um ihre Jobs bangen? Warum scheinen alle nationalen und internationalen Regeln nicht zu greifen? Die Experten streiten über Folgen der Finanzkrise und über neue Chancen. Die Politiker laborieren an den Symptomen. Frage nur: Ist unser Finanzsystem im Kern überhaupt "gut und funktional"? Gehen wir mit unserem Geld richtig um? Und taugen Begriffe wie "Wachstum" und "Arbeit" noch als praktische Symbole für den Weg in eine bessere Welt?
 
Die beiden ARD-Reporter und -Präsentatoren Tobias Schlegl und York Pijahn machen sich auf die Suche nach Alternativen. Gibt es realistische Möglichkeiten, den Zyklus der Krisen zu mildern, gar zu sprengen?
Dabei treffen sie zum Beispiel Götz Werner. Der Unternehmer formte eine milliardenschwere Drogeriemarktkette und vertritt heute vehement das "Bedingungslose Grundeinkommen": "1.500 Euro für jeden ohne Einschränkungen von der Geburt bis zum Tod, denn heute leisten Maschinen so viel, dass jeder am Leben teilnehmen kann." Vision, Illusion, Spinnerei? Wohl kaum: Unter Titeln wie "Grundeinkommen", "Grundsicherung" oder "Bürgergeld" vereinen sich Politiker der Linken und SPD ebenso wie Vertreter der CDU und FDP. Und Finanzexperten haben nachgerechnet: Das Modell ist finanzierbar.
 
Schlegl und Pijahn besuchen auch Christian Gelleri , den Initiator einer  neuen, ergänzenden Währungen - dem "Chiemgauer" in Bayern. Diese "andere Währung" soll nicht nur die regionale Wirtschaft fördern, sie soll auch einen gesellschaftlichen und sozialen Beitrag leisten. Wie sieht das in der Praxis aus? Und was bringen solche Währungen tatsächlich? Der frühere belgische Zentralbanker und Hedge-Fonds-Gründer Bernard Lietaer hält nur noch eine Währung für zukunftsfördernd, die allein die Produktion und den Konsum fördert und regelt. Beispiele gefällig? Mitten in der Weltwirtschaftskrise von 1929 schafften viele deutsche und österreichische Gemeinden neuen Wohlstand durch die Einführung einer "zweiten Währung". Und ohne eine Pflegewährung wäre die japanische Altersversorgung wohl schon lange zusammengebrochen.
 
Deshalb suchen und finden Tobias Schlegl und York Pijahn Antworten auf ihre Fragen nicht nur in Deutschland. Sie setzen sich mit anderen, existierenden Konzepten in Ländern wie Kuba oder den Vereinigten Arabischen Emiraten auseinander.
York Pijahn reiste nach Dubai, weil in der islamischen Welt das Konzept des "islamischen Geldwesens" immer populärer wird. Hierbei darf das Geld nicht für riskante und oft zweifelhafte Spekulationen benutzt werden. Die Investitionen müssen nachvollziehbar sein. Alle Partner sollen gemeinsam von ihnen profitieren. Zinslose Finanzierung: Beim "islamischen Geldanlegen" werden ethische Prinzipien vor den Profit gestellt, ein Prinzip, das einst auch im Christentum galt.
Tobias Schlegl reiste nach Havanna. Dort wollte er erfahren, was die Regierung nach dem Ende des Sozialismus in der "alten Welt" gelernt hat. Eine neue Wirtschaftspolitik versucht die selbstständigen Bauern zu fördern und Eigeninitiative zu unterstützen. Oswaldo Martinez, der Vorsitzende des Wirtschaftsauschusses im kubanischen Parlament, gibt Auskunft über die neue Politik. Anhand selbstständiger Bauern in Bayeros zeigt der Film die Auswirkungen. Ein alter, neuer "dritter Weg" zwischen Sozialismus und Kapitalismus? Auch andere Länder in Lateinamerika denken an einen "Aufbruch".
 
Die Dokumentation "Geld für alle! Gibt es eine bessere Welt?" zeigt unkonventionelle Ideen und praktizierte Modelle zur Krisenabwehr - jenseits der aktuellen Diskussion über Bankenaufsicht, Bonuszahlungen und transparente Finanzprodukte.